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Emendörfer, Max

* 2.12.1911, † 18.6.1974
Opfer stalinistischer »Säuberung«

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Tübingen; Pflegevater Schlosser, Mutter Reinemachefrau; Volksschule in Bad Liebenzell u. Frankfurt (Main); gleichz. Dienstjunge; 1926 – 29 Ausbildung zum Schuhmacher; 1930 RHD; Kampfbund gegen den Fasch.; 1931 arbeitslos; Wanderschaft; Juni 1931 KPD; 1933 illeg. pol. Arbeit, Lit-Obmann einer KPD-Gruppe in Frankfurt (Main); 5.12.1933 Verhaftung u. U-Haft, März 1934 Hochverratsprozeß in Kassel, Freispruch; anschl. Schuhmacher u. erneut Lit-Obmann in Frankfurt (Main); 27.10.1934 Verhaftung u. am 7. 2. 1935 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt; Okt. 1935 – Juni 1937 KZ-Haft in Esterwegen u. Sachsenhausen; dann Schuhmacher in Frankfurt (Main); unter Polizeiaufsicht; um den Anwerbungsversuchen der Gestapo zu entgehen im Jan. 1940 freiw. zur Wehrmacht, Artillerist; Mai 1940 Entlassung wegen Wehrunfähigkeit; nach Wiedererlangen der Wehrfähigkeit im Nov. 1941 erneut freiw. zur Wehrmacht; 17.1.1942 im Bereich der Leningrader Front Desertation zur Roten Armee; zunächst Kriegsgefangenenlager Nr. 58 bei Pottmar u. ab Juli 1942 Nr. 74 in Oranki (b. Gorki); Besuch der dortigen Antifa-Schule; Jan. – Juli 1943 Propagandist in der Pol. Verw. der 48. u. 70. Armee; Juli 1943 Mitgl. u. ab 14.9.1943 einer der Vizepräs. des NKFD; Frontpropagandist; vom RKG wegen Hochverrats in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
7.8.1945 Rückkehr nach Dtl. (Berlin); 8.8. 1945 auf Veranlassung von  Walter Ulbricht Festnahme durch das NKWD unter der Beschuldigung, »V-Mann« der Gestapo gewesen zu sein u. in die amerik. Zone zu wollen; Okt. 1945 Einlieferung in das Speziallager Nr. 3 in Berlin-Hohenschönhausen; Aug. 1946 Überführung in das Speziallager Nr. 7 nach Sachsenhausen; Jan. 1947 Deportation in die UdSSR; Antifa-Ltr. u. einfacher Arbeiter in versch. Kriegsgefangenenlagern; Mai 1952 als »sozial gefährl. Element« durch ein Fernurteil einer »Besonderen Beratung« nach § 533 der Ukrain. SSR Verbannung für zehn Jahre in das Gebiet Nowosibirsk; dort als Kuhhirte tätig; Jan. 1956 Entlassung in die DDR; dreimonatiger Krankenhausaufenthalt in Weißenfels; SED; am 7.5.1956 Anerkennung der durchgehenden Parteimitgliedschaft ab 1931 durch die ZPKK; Anerkennung als VdN; 1956 – 58 Red.-Assistent bei der »Freiheit« (Halle); am 10.8.1956 beschließt das Militärtribunal des Kiewer Militärbez. die Einstellung des Verfahrens wegen fehlenden Tatbestandes, ohne E. davon in Kenntnis zu setzen; 1958 – 59 1. Sekr. des Bez.-Aussch. der NF in Halle; ab 1958 auf Erbeten des Militärverlags Arbeit an Erinnerungen über das NKFD; 1959 – 60 Kaderltr. im Bez.-Krankenhaus in Halle; 1960 – 69 Red. bei der »Freiheit«; 1961 VVO; 1969 Invalidisierung; Übersiedl. nach Heiligendamm; 1970 Orden des Vaterländ. Krieges; gest. an Herzversagen (auf dem Bahnhof Berlin-Lichtenberg); beigesetzt in Bad Doberan.

Publ.: Rückkehr an die Front. Erlebnisse eines dt. Antifaschisten. Berlin 1972.
Sek.-Lit.: Sassning, R.: Leserzuschrift zum Beitrag von Paul Heider über das Nationalkomitee »Freies Dtl.«. In: BzG (1994) 3; Emmendörfer, J.: Verfemt. Mein Vater M. E. Frankfurt (Oder) 1997.
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