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Eschwege, Helmut

* 10.7.1913, † 19.10.1992
Dokumentarist, Historiker

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Hannover; Vater Lehrer u. Sekr. der Jüd. Gemeinde; 1918 nach Hamburg; dort Talmud-Thora-Schule; Realschule; 1929 – 31 kfm. Ausbildung; 1932/33 Wanderschaft; 1929 – 33 heimliche Mitgliedschaft im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold u. der SPD; 1934 Besuch einer Siedlerschule der Jüd. Gemeinde als Vorber. zur Auswanderung nach Palästina; 1934 Emigr. nach Dänemark; Ausweisung u. Weiterreise nach Riga; 1937 Einreise nach Palästina; Transportarb. u. Arbeiter auf einer Obstplantage; Mitgl. der KP Palästinas; 1942 Freiwilligenmeldung zur brit. Armee; wegen mangelnder Wehrtauglichkeit Zivilarb.; zugl. Vertr. des Moskauer Verlags Kniga.
Nach 1945 als Bauarb. u. Zeitungsbote in Nathanja (Palästina); zugl. Betreiber einer dt. Leihbibliothek; 1946 Kurgast in Karlovy Vary (ČSR); von dort mit sudetendt. Antifaschisten nach Dresden umgesiedelt; Kurier in Umsiedlerfragen zwischen Dresden, Berlin u. Prag; 1947 Sichtung u. Rückführung umfgr. Buchbestände aus ehem. jüd.-dt. Privatbesitz von Prag nach Dtl.; 1948 Mitarb. des SED-LV, zuständig für den Aufbau eines hist. Archivs der Arbeiterbew.; 1952 Überführung der Sammlung in das Museum für dt. Geschichte (Berlin); dort Abt.-Ltr.; März 1953 als »Zionist« aus der SED ausgeschl. u. entlassen, 1954 zurückgenommen; 1956 abermals ausgeschl., numehr als »Parteifeind«, dann wiederaufgenommen; 1958 dritter Parteiausschl. wegen seiner Israelreise u. seiner »Drohung«, in die Bundesrep. Dtl. zu gehen; Bibliothekar u. Dokumentarist an der TU Dresden; 1964 – 66 erfolglose Bemühungen um SED-Mitgliedschaft; 1976 degradiert zum Pförtner der TU Dresden wegen »unerlaubten Kopierens von Westlit.«; angesichts zahlr. Besuche aus der Bundesrep. Dtl. wieder als Dokumentarist eingesetzt; seit Mitte der 50er Jahre gegen alle Hindernisse priv. Forschungen zur jüd. Geschichte; beim MfS als OV »Zionist« erf.; 1985 – 89 vom MfS als IM »Ferdinand« erf., wo er als wichtiger Informant über Judentum u. Israel galt; 1984 Ehrung mit der Buber-Rosenzweig-Medaille der Christl.-Jüd. Ges.; Mitbegr. der SDP Dresden; am 28.6.1990 als Opfer des Stalinismus von der PDS rehabil.; gest. in Dresden.

Publ.: »Kennzeichen J«. Bilder, Dokumente, Berichte. Berlin 1966; Die Synagoge in der dt. Geschichte. Berlin 1980; Geschichte der Juden im Territorium der ehem. DDR. Dresden 1991; Fremd unter meinesgleichen. Erinnerungen eines Dresdner Juden. Berlin 1991.
Sek.-Lit.: Interview Hajo Funke mit E. In: Ostrow, R.: Jüd. Leben in der DDR. Frankfurt (Main) 1988. Biogr. Porträt Von Menschen u. Büchern oder Kulturpol. auf eigene Faust: H. E. In: Hartewig, K.: Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüd. Kommunisten in der DDR. Köln, Weimar 2000; Heinze, C.: Identität u. Geschichte in autobiogr. Lebenskonstruktionen. Wiesbaden 2009.
KaH

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