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Gartenschläger, Michael

* 13.1.1944, † 30.4.1976
Grenzopfer

Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:


Geb. in Strausberg (b. Berlin); Eltern Gastwirte; Schulbesuch in Strausberg; 1958 GST, 1959 Schlossergehilfe, Autoschlosserlehre; regelmäßige Besuche in West-Berlin; 1960 Gründung eines Ted-Herold-Fanclubs; Protestparolen gegen den Mauerbau am 13.8.1961, 16.8. Brandstiftung in einer LPG, 19.8. Verhaftung, 15.9.1961 Verurteilung zu lebenslanger Haft, 1964 Fluchtversuch aus der Jugendstrafanstalt Torgau, während der Haft in Brandenb.-Görden Berufsausb. zum Dreher, 1969 scheitert ein zweiter Fluchtversuch, 1970 Antrag auf Ausweisung in die Bundesrep. Dtl., 1971 von der Bundesreg. für 45.000 DM freigekauft; 1973 Abbruch einer Ausbildung zum Betriebswirt; 1974 Pächter einer Tankstelle in Hamburg; Beteiligung an bezahlten Fluchthilfeaktionen für 31 Personen aus der DDR, im März u. April 1976 Demontage von zwei Selbstschußanlagen SM 70 an der innerdt. Grenze u. Präsentation vor der Weltöffentlichkeit; Beschluß des MfS, G. bei einer weiteren Aktion zu »verhaften oder zu vernichten«; beim Versuch der Demontage einer dritten Splitterminenanlage bei Büchen an der Grenze von Mecklenburg zu Schleswig-Holstein bei einem Schußwechsel mit einem MfS-Sonderkommando tödlich getroffen; im Mai 1976 als »unbekannte Wasserleiche« in Schwerin beerdigt.
1992 Aufhebung des Urteils von 1961 durch das LG Frankfurt (Oder); 2000 u. 2003 Anklage gegen zwei Offiziere des MfS wegen geplanten Totschlags an G., Freispruch, da nicht ausgeschlossen werden konnte, daß G. zuerst geschossen hat; die Revision beim BGH hatte 2005 wegen Verjährung keinen Erfolg.

Sek.-Lit.: Ritter, J., Lapp, P. J.: Die Grenze. Ein dt. Bauwerk. Berlin 1997; Lienecke, L., Bludau, F.: Todesautomatik. Die Staatssicherheit u. der Tod des M. G. Kiel 2001; Frost, A.: M. G. – Der Prozeß. Schwerin 2002; Klier, F.: M. G. Kampf gegen Mauer u. Stacheldraht. Berlin 2009.
ChL

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