Zeitzeugen

Gulag-Zeitzeugenarchiv in der Bundesstiftung Aufarbeitung

Zeitzeugenarchiv von Meinhard Stark

In den vergangenen Jahrzehnten hat der Historiker Dr. Meinhard Stark mehr als 250 ehemalige Lagerhäftlinge bzw. ihre Kinder in Russland, Polen, Kasachstan, Litauen und Deutschland interviewt. Im Rahmen eines von der Bundesstiftung Aufarbeitung geförderten Kooperationsprojektes mit der Abteilung für Osteuropäische Geschichte der Universität Bonn sind diese Gespräche im Jahr 2013 vollständig digitalisiert und dem Archiv der Stiftung zur Verfügung gestellt worden. Die mehr als 1.200 Stunden Audio- und Video-Material bilden den Basisbestand des neu begründeten Gulag-Archivs in der Bundesstiftung Aufarbeitung und können vor Ort in einer Datenbank recherchiert werden.
Mehr Informationen

Zeitzeugenworkshop der Bundesstiftung Aufarbeitung 2009

Im Rahmen der Dokumentation der politischen Verfolgung in der SBZ/DDR fand in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am 1. Dezember 2009 ein Zeitzeugenworkshop mit Überlebenden des Straflagers Workuta statt, die dort auch den Aufstand im Sommer 1953 erlebt haben. Der thematische Fokus lag auf den Erfahrungen der damals jungen Menschen, die aufgrund ihrer oppositionellen Haltung und ihres Widerstands gegen die Diktaturdurchsetzung in der SBZ/DDR politisch verfolgt, verhaftet und in das Lagersystem Workuta verschleppt wurden. Ebenso wurden ihre Erinnerungen und Wahrnehmungen nach der Haftentlassung Mitte der 1950er Jahre thematisiert. Im Mittelpunkt standen somit die persönlichen Erlebnissen vor, während und nach der Haft. Teilnehmer/innen des Zeitzeugenworkshops waren: Roland Bude, Dr. Horst Hennig, Gerhard Janson, Gerda Janson, Günther Kowalczyk, Dr. Peer Lange, Irmgardt Nitz, Lothar Scholz, Horst Schüler und Prof. Werner Sperling.

Die Veranstaltung wurde auf Video dokumentiert. Die knapp 5 Stunden Filmmaterial stehen im Stiftungsarchiv für Zwecke der Forschung und politischen Bildung zur Verfügung. Außerdem haben einige der Teilnehmer/innen dem Archiv kontextbezogene Unterlagen, persönliche Materialien wie Bilder, Fotos, Tonbänder, Videos etc. überlassen, die ebenfalls für Forschungsarbeiten genutzt werden können.

Wenn Sie Interesse an der Nutzung der Zeitzeugenerinnerungen haben, wenden Sie sich bitte an Herrn Dr. Buchholz oder Frau Griwan.

Gulag Zeitzeugen

Interviewreihe "Die Frauen von Workuta"

Über das erlittene Unrecht der Frauen im Gulag ist bislang wenig berichtet worden. In der Interviewreihe "Die Frauen von Workuta" der Berliner Heimatfilm GbR kommen fünf ehemalige Gulag-Gefangene zu Wort.
Die Interviews entstanden in Kooperation mit dem Onlineportal DeineGeschichte und mit Förderung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Zeitzeugeninterviews wurden erstmals im Onlineportal DeineGeschichte veröffentlicht.

Trailer zur Interviewreihe

Die hier porträtierten Frauen waren zwischen 1947 und 1955 im Straflager Workuta nahe des Polarkreises inhaftiert. Die Interviews zeigen persönliche Dokumente, Archiv-Fotos und historische Filmaufnahmen.

Edith Fadtke (geb.1930) war 22 Jahre alt, als man sie mit dem Verdacht der Spionage für den Westen verhaftete. Sie wurde dabei erwischt, wie sie Kennzeichen sowjetischer Autos notierte. Das Urteil: 25 Jahre Zwangsarbeit. Wie auch andere Gefangene gelangte sie, nach verschiedenen Stationen, im Jahr 1952 in das nordrussische Strafgefangenenlager Workuta.
Zum Interview

Gerda Janson (geb. 1924) war 26 Jahre alt, verheiratet und Mutter eines Kleinkindes, als sie 1950 verhaftet wurde. Ihr wurden Spionage und "antisowjetische Hetze und Agitation" vorgeworfen. Gerda Janson wurde zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und kam über verschiedene Haftstationen ins nordrussische Gefangenenlager Workuta.
Zum Interview

Herta Lahne (geb. 1927) steckte mitten in ihrer Ausbildung zur Opernsängerin, als sie sich im Jahr 1947 auf die Suche nach ihrem verschollenen Vater machte, in Weimar verhaftet und kurz darauf zum Tode verurteilt wurde. Ein ihr wohl gesonnener Arzt bescheinigte Herta Lahne eine Schwangerschaft, so dass ihre Todesstrafe in eine Verurteilung zu 15 Jahren schwerster Zwangsarbeit umgewandelt wurde.
Zum Interview

Irmgardt Nitz (geb. 1927) war mit den Vorbereitungen zu ihrer Hochzeit beschäftigt, als sie 1951 unter einem falschen Vorwand verhaftet wurde. Sie war wegen kritischer Äußerungen denunziert worden. Das Urteil lautete 25 Jahren Arbeitslager. Irmgard Nitz war bis 1955 in sowjetischer Gefangenschaft.
Zum Interview

Anita Wille (geb. 1931) wurde 1951, wenige Tage vor ihrer Hochzeit mit einem Westdeutschen, verhaftet. Vermutlich wurde ihr die Liebesbeziehung zum "Klassenfeind" zum Verhängnis. Nach 13 Monaten Haft im berüchtigten Zuchthaus "Roter Ochse" in Halle, wurde Anita Wille in die Sowjetunion verlegt. Über mehrere Stationen gelangte sie nach Workuta.
Zum Interview

Frauen Gulag Workuta Zeitzeugen

Das Speziallager Nr. 1 des NKWD in Mühlberg/Elbe - Zeitzeugen erinnern sich

Im September 1945 übernahm das sowjetische NKWD das ehemalige Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht in der Nähe der Stadt Mühlberg/Elbe und betrieb es bis 1948 nach dem GULag-System. Infolgedessen wurden missliebige Personen in völliger Isolierung und unter unmenschlichen Bedingungen jahrelang gefangengehalten. Fast 22.000 Inhaftierte zählte das Lager insgesamt, von denen etwa 7.000 die Strapazen nicht überlebten und in Massengräbern begraben wurden. Heute befindet sich auf dem Gelände eine Gedenkstätte, die unter dem Engagement der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V. entstand.

Im Auftrag der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V. interviewte das Geschichtsbüro Culture and more im Jahr 2013 zwölf Überlebende des Speziallagers. Die Bundesstiftung Aufarbeitung förderte das Projekt. Die Interviews können in voller Länge im Stadtmuseum Mühlberg/Elbe angehört werden.

Trailer zur Interviewreihe

Zeitzeugenportale

  • Zeitzeugenportal der Bundesstiftung Aufarbeitung
    Das Zeitzeugenportal der Bundesstiftung Aufarbeitung bietet einen Themenschwerpunkt "Deutsche im GULag" an. Über das jeweilige Profil können Sie direkt Kontakt mit den Zeitzeugen aufnehmen und sie zu Ihren Veranstaltungen einladen. Im Themenschwerpunkt gibt es außerdem Unterrichtsmaterialien, die Sie für die Gestaltung von Schulstunden, Exkursionen und Projekttage nutzen können.
    Sprache: deutsch
    www.zeitzeugenbuero.de

  • Zeitzeugenportal www.workuta.de
    Ein neues Zeitzeugenportal mit 36 Biografien deutscher Gulag-Häftlinge, erarbeitet von Stefan Krikowski.
    Sprache: deutsch
    www.workuta.de

  • Videointerview-Projekt "Die letzten Zeugen"
    Webseite zum Projekt "Die letzten Zeugen. Video-Interviews mit Opfern und Zeugen der sowjetischen totalitären Epoche" von Memorial International, gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung.
    Sprachen: russisch/deutsch
    www.1917-1991.org

  • "Sound Archives. European Memories of THE GULAG"
    Die Website "Sound Archives. European Memories of THE GULAG" versammelt Zeitzeugenberichte von ehemaligen Gulag-Häftlingen, Dokumente und Objekte und präsentiert sie in dieser Online-Ausstellung.
    Sprachen: französisch, englisch, russisch, polnisch
    www.museum.gulagmemories.eu

Gulag Zeitzeugen