Zeitzeugen

Fotos von Zeitzeug/innen aus dem Zeitzeugenportal der Bundesstiftung Aufarbeitung Welche Frauen wurden im Gefängnis Hoheneck inhaftiert und aus welchen Gründen? Wie erinnern sich die Frauen an die Zwangsarbeit und die schwierigen Haftbedingungen? Was bedeutete es für sie, mit Kriminellen eine Zelle zu teilen? Wie gestaltete sich der Kontakt zur Außenwelt, was passierte mit ihren Familien? Auf welche Weise erfolgte der Freikauf und wie gestaltet sich das Leben nach der Haft?

Dies sind nur einige Fragen, mit denen sich beispielsweise Schülerinnen und Schüler im Unterricht auseinandersetzen können. Dafür können ehemalige Inhaftierte als Zeitzeugen in die Schule eingeladen werden. Im Folgenden stellen wir Ihnen Zeitzeuginnen aus dem frei zugänglichen Bereich des Zeitzeugenportals der Bundesstiftung Aufarbeitung vor. Über ihr Profil können Sie die Frauen direkt kontaktieren und für Veranstaltungen einladen. Außerdem finden Sie hier weitere Zeitzeugenberichte zum Anhören, Anschauen oder Nachlesen.

Zeitzeugenportal der Bundesstiftung Aufarbeitung

Eva-Maria Neumann
Jahrgang 1951, Aachen: 1977 versuchte das Ehepaar Neumann im Kofferraum eines Fluchthelfers über die Grenzanlage Hirschberg in die Bundesrepublik zu gelangen. Ihre dreijährige Tochter war dabei. Das MfS verhaftete die Familie. Die Tochter kam zu den Großeltern, Eva-Maria Neumann wurde zu drei Jahren Haft verurteilt und verbüßte ihre Freiheitsstrafe unter anderem im Frauengefängnis Hoheneck.
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Regina Labahn
Jahrgang 1951, Wülfrath: 1984 wurde Regina Labahn verhaftet und in das Frauengefängnis Hoheneck gebracht. Ihr Mann wurde im Gefängnis in Cottbus inhaftiert, ihre drei Kinder kamen in ein Heim. 1986 wurde das Ehepaar mit der Aufforderung entlassen, sofort die DDR zu verlassen. Ihre Tochter sahen sie 1987, ihre beiden Söhne erst nach dem Fall der Mauer 1989 wieder.
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Barbara Große
Jahrgang 1947, Mainz: Zusammen mit ihrem Mann stellte Barbara Große mehrere Ausreiseanträge aus der DDR und informierte sich in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin sowie in der bundesrepublikanischen Botschaft in Prag. Am 19. Januar 1983 wurde sie deshalb wegen "landesverräterischer Agententätigkeit" verhaftet und zu einer Haftzeit in Hoheneck verurteilt. 1984 kaufte die Bundesrepublik sie frei.
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Anita Goßler
Jahrgang 1933, Berlin: Im Mai 1953 wurde die damals 20-Jährige zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Fünf Monate später brachte sie im Haftkrankenhaus Leipzig-Meusdorf ihre Tochter zur Welt. Mutter und Tochter wurden getrennt und Anita Goßler in das Gefängnis Hoheneck gebracht. Sie wurde gezwungen, ihr Kind zur Adoption freizugeben. Im September 1956 wurde Anita Goßler entlassen.
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Tatjana Sterneberg
Jahrgang 1952, Berlin: Tatjana Sterneberg verliebte sich als junge Frau in einen Italiener aus West-Berlin. Nach einem Jahr wollten sie heiraten. Sterneberg stellte einen Ausreiseantrag, der abgelehnt wurde. Als Sterneberg ahnungslos in eine vom MfS initiierte "Flucht" einwilligte, wurden sie und ihr Freund 1973 verhaftet. Tatjana Sterneberg wurde in das Frauenzuchthaus Hoheneck verbracht, wo ihr ohne ihr Wissen Psychopharmaka verabreicht wurden.
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Angelika Feustel
Jahrgang 1956, München: 1977 erfuhr die Staatssicherheit von Angelika Feustels geplanten Fluchtversuch über Bulgarien. Sie wurde verhaftet und zu 18 Monaten Haft verurteilt, die sie im Frauengefängnis Hoheneck absitzen musste.
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Elke Schlegel
Jahrgang 1958, Koblenz: Elke Schlegel hatte einen Ausreiseantrag gestellt und demonstrierte regelmäßig, um eine Bewilligung zu erhalten. Stattdessen wurde sie 1984 verhaftet und zu 18 Monaten Haft im Frauengefängnis Hoheneck verurteilt. Wegen Haftunfähigkeit kaufte die Bundesrepublik sie frei.
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Anke Jauch
Jahrgang 1959, Korschenbroich: Anke Jauch und ihr Ehemann versuchten 1980, die DDR zu verlassen. In einer Sperrzone zwischen Bulgarien und Jugoslawien nahmen Grenzsoldaten beide fest. Nach Gefängnisaufenthalten in Bulgarien und in Leipzig verurteilte das örtliche Kreisgericht Anke Jauch wegen "versuchtem ungesetzlichen Grenzübertritt in schwerem Fall" zu 18 Monaten Haft im Frauengefängnis Hoheneck.
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Alexander Latotzky
Jahrgang 1948, Berlin: Alexander Latotzky kam im sowjetischen Speziallager Bautzen zur Welt. Seine Mutter Ursula war 1946 wegen "Agententätigkeit für eine ausländische Macht" zu 15 Jahren Strafarbeitslager verurteilt worden. Mutter und Sohn verlegte man zuerst nach Bautzen, später in das Speziallager Nr. 4 und schließlich in den DDR-Strafvollzug in Hoheneck. Die Behörden trennten beide, Alexander verbrachte die nächsten sieben Jahre in verschiedenen Kinderheimen. 1956 wurde seine Mutter begnadigt. Sie starb mit 41 Jahren an den Folgen der Haft.
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Catharina Mäge
Jahrgang 1956, Berlin: Catharina Mäge war die Tochter von Intellektuellen und durfte im SED-Staat kein Abitur machen. Sie beschloss, die DDR zu verlassen. Doch bevor sie ihre Fluchtpläne umsetzen konnte, wurde die 20-Jährige vom MfS verhaftet. Das Bezirksgericht Dresden verurteilte sie zu einem Jahr und acht Monaten Haft in der Vollzugsanstalt Hoheneck. Noch in Haft stellte sie einen Ausreiseantrag. 1977 kaufte die Bundesregierung Catharina Mäge frei.
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Uta Franke
Jahrgang 1955, Berlin: Uta Franke organisierte seit 1975 in Leipzig Treffen mit Systemkritikern und politisch interessierten Freunden. Ab 1978 druckte die Gruppe systemkritische Flugblätter. Am 5. September 1979 wurde Franke verhaftet und 1980 wegen "staatsfeindlicher Hetze" zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt, die sie teilweise im Frauengefängnis Hoheneck verbüßte. 1981 gelangte Uta Franke im Zuge des Freikaufs politischer Häftlinge in die Bundesrepublik.
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Zeitzeugenberichte

  • Zeitzeugen-Gespräch mit ehemaligen Insassinnen des DDR-Frauengefängnisses Hoheneck
    Gespräch mit Zeitzeuginnen nach der öffentlichen Vorführung des Dokumentarfilmes "Ein Tag zählt wie ein Jahr – Die Frauen von Hoheneck" am 8. März 2012 auf der 5. Geschichtsmesse der Bundesstiftung Aufarbeitung in Suhl.
    Zeitzeuginnen: Margot Jann, Anita Goßler, Konstanze Helber
    Den Gesprächsmitschnitt (46:06 Min) gibt es auf dem Thüringer Schulportal zum Nachhören.

  • Wir wussten nicht, schießen die?
    Nachlese einer Podiumsdiskussion am 7. November 2011 bei der Bundesstiftung Aufarbeitung mit Sibylle Plogstedt und Gabriele Stötzer. Den Veranstaltungsmitschnitt können Sie hier anhören bzw. herunterladen.

  • Zeitzeugen im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern - Videos
    Bei dem Projekt "Stimmen der Opposition" führen Schülerinnen und Schüler Interviews mit einem Zeitzeugen. Es entsteht ein Bild der DDR-Geschichte, gesehen mit den Augen der heutigen Jugendlichen. Interviewt wurden zum Beispiel Eva-Maria Neumann, Angelika Feustel und Angelika Cholewa.
    "Stimmen der Opposition" ist ein Projekt der Deutschen Gesellschaft e.V., gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung.

  • Uta Franke: Wie die Stasi Verdächtige zermürbt - Video
    Mit Anfang 20 traf sich Uta Franke in Leipzig mit Freunden, um über Politik zu sprechen. Das reichte aus, damit sie ins Visier der Staatssicherheit geriet. Nachdem der Freundeskreis eine "Plakatklebeaktion" durchgeführt hatte, wurde Uta Franke verhaftet. In dem Video des MDR erzählt sie von ihrer Verhaftung.

  • Ellen Thiemann berichtet von ihren Erlebnissen in Hoheneck - Videos
    Haft im Frauengefängnis Hoheneck
    Gefangenenarbeit in Hoheneck - Teil 1
    Gefangenenarbeit in Hoheneck - Teil 2
    Die Interviews wurden geführt von Gedächtnis der Nation

  • Barbara Große über ihre Erlebnisse in Hoheneck - Videos
    Klopfsprache im DDR-Gefängnis
    Arbeit im "Lumpenkommando"
    Die Interviews wurden geführt von Gedächtnis der Nation

  • Tatjana Sterneberg über ihre Haft in Hoheneck
    Bericht auf www.frauenkreis-hoheneckerinnen.de
    Ärzte im Dienste der Stasi – Verletzung der Schweigepflicht? (Video). Bericht des rbb über Mediziner, die in der DDR für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet haben. Tatjana Sterneberg erzählt in dem Video von ihren Erfahrungen in Hoheneck und von ihren Recherchen nach 1989. Aus ihren Akten erfuhr sie, dass ihr in Hoheneck Beruhigungsmittel verabreicht worden waren.


Weitere Zeitzeugenberichte sind zu finden unter:
Hoheneck Blog
Webblog von Catharina Mäge
www.kindheit-hinter-stacheldraht.de