Zeitzeugeninterviews zum 17. Juni 1953

Siegfried Buchholz (Jahrgang 1939), hat als Schüler mit seiner Familie im Stadteil Berlin-Britz gewohnt und ging in West-Berlin zur Schule. Als er am Nachmittag des 17. Juni nach Hause kam, hörte er von den Ereignissen im RIAS, der stündlich berichtete.

Günter Schliepdieck (Jahrgang 1936), lebte damals mit seiner Familie im sowjetisch besetzten Berlin-Karlshorst, als sich die Arbeiterproteste zum ersten Volksaufstand in der DDR ausdehnten.

Hardy Firl (Jahrgang 1931), war 21 Jahre alt und bei MITROPA beschäftigt, als er sich am 17. Juni 1953 den Arbeiterprotesten in Ost-Berlin anschloss. Er unterstützte die Forderungen nach "Absetzung der Regierung", "Freie Wahlen" und "Verringerung der Arbeitsnormen". Hard Firl wurde festgenommen und saß wegen seiner Teilnahme am Aufstand bis 1956 im Gefängnis.

Harry Springstubbe (Jahrgang 1933), war damals Mauerlehrling in der Stalinallee. Als sich die Bauarbeiter der Baustellen auf der Stalinallee am frühen Abend des 16. Juni entschließen, für den nächsten Tag zum Streik aufzurufen, schicken Sie eine Delegation zum RIAS-Gebäude. Harry Springstubbe war Teil dieser Delegation und fuhr mit seinen Kollegen ins Funkhaus an der Kufsteiner Straße.

Klaus Gronau (Jahrgang 1937), wuchs in Berlin-Friedrichshain auf und schloss sich am 16. Juni 1953 als Lehrling den ersten Demonstrationszügen an. Er folgte den Bauarbeitern von der Stalinallee, sah die Panzer am Lustgarten, hörte die Warnschüsse. Das Risiko einer Inhaftierung sowie die Gefahren für Leib und Leben nahm er in kauf und setzte sich an der Seite seiner Kollegen und Freunde für Demokratie und Bürgerrechte gegen das Regime der SED ein.

Lutz Rackow (Jahrgang 1932), war 1953 Wirtschaftsredakteur bei der Tageszeitung "Der Morgen". Als er von den Ereignissen auf den Baustellen der Stalinallee am 16. Juni hörte, machte er sich mit seinem Motorrad auf den Weg, um das Geschehen zu verfolgen. Dem Protestzug der Bauarbeiter folgte er bis zum Haus der Ministerien, wo er die Kundgebung vom gegenüberliegenden HO-Kaufhaus aus beobachtete. Auch am Morgen des 17. Juni ist er bei der Demonstration, die sich am Strausberger Platz formierte, dabei.

Günter Kröber (Jahrgang 1928) arbeitete 1953 als junger Rechtsanwalt in Leipzig. Am Vormittag des 17. Juni wurde die Stafverhandlung, die im Bezirksgericht Leipzig gerade stattfand, wegen der Demonstrationen unterbrochen. Günter Kröber besuchte daraufhin seine Mandanten in der Haftanstalt in der Beethovenstraße, die er kurz darauf wieder verlassen musste, weil inzwischen eine Menschenmenge das Gefängnis belagerte. Nach der Niederschlagung des Aufstandes hat Günter Kröber viele Angeklagte des 17. Juni als Strafverteidiger vertreten. Einige Jahre später wurde er selbst aus politischen Gründen verhaftet und aus der Anwaltschaft ausgeschlossen.