Haftzwangsarbeit für IKEA

Im August 2011 berichtete der WDR in einer Dokumentation, dass der schwedische Möbelkonzern Ikea in den 1970er und 1980er Jahren Möbel in der DDR produzieren ließ, die zum Teil von politischen Gefangene gefertigt werden mussten. Das Unternehmen leitete nach Bekanntwerden des Berichtes interne Nachforschungen ein.

Im Mai 2012 strahlte der schwedische Fernsehsender SVT in seiner Sendung "Uppdrag Granskning" einen Beitrag zur Haftzwangsarbeit in der Produktion für Ikea in der DDR aus, der international breites Medienecho fand. Der Konzern verurteilte daraufhin in einer Stellungnahme die Beschäftigung von politischen Gefangenen in der Produktion "aufs Schärfste".

Studie zum Einsatz politischer Häftlinge in der Produktion

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young wurde mit einer Studie beauftragt, die die Einkaufspraktiken und Produktionsbedingungen in der ehemaligen DDR untersuchen sollte. Zudem sollten die Wirtschaftsprüfer klären, ob das Unternehmen Kenntnis vom möglichen Einsatz von Zwangsarbeitern gehabt hat.

Am 16. November 2012 stellte Ikea Deutschland in Berlin die Ergebnisse der Sonderuntersuchung vor. Aus Datenschutzgründen wurde nicht die gesamte Studie veröffentlicht, sondern nur eine Zusammenfassung herausgegeben.

 

Aus der Untersuchung geht hervor, dass in der DDR in den 1970er und 1980er Jahren Ikea-Möbel zum Teil durch politische Häftlinge in Haftzwangsarbeit hergestellt wurden. Darüber hinaus hatte der Konzern "spätestens aber ab dem Jahre 1981, Kenntnisse über den möglichen Einsatz politischer Gefangener in einzelnen der für das Unternehmen relevanten Produktionsstandorten und/ oder Zulieferbetrieben der DDR". (Quelle: Zusammenfassung der Ergebnisse der Sonderuntersuchung "IKEA DDR Aufarbeitung" durchgeführt von Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Oktober 2012)

Zwar habe Ikea versucht, diesen Einsatz zu unterbinden, die Maßnahmen seien aber nicht wirkungsvoll genug gewesen. Der heutige Geschäftsführer von Ikea Deutschland, Peter Betzel, drückte den Opfer gegenüber sein "tiefstes Bedauern" aus und versicherte: "Der Einsatz von politischen Gefangenen in der Produktion war und ist völlig unakzeptabel". Außerdem kündigte Betzel die finanzielle Unterstützung der weiteren Erforschung der Zwangsarbeit in der DDR an und stellte in Aussicht, dass sich Ikea an einem Entschädigungsfonds beteiligen werde, sofern die Bundesregierung und weitere betroffene Unternehmen mitziehen würden.

Bei der Vorstellung des Ikea-Berichts betonte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung, Dr. Anna Kaminsky, in einem knappen Redebeitrag [200 KB], dass es nicht bei diesem ersten Schritt von Ikea bleiben dürfe. Es gehöre ebenso dazu, die bisherigen Untersuchungsergebnisse öffentlich zur Diskussion zu stellen. Die historische Aufarbeitung des Themas Zwangsarbeit stehe ebenso wie eine Entschädigung der Opfer noch aus.

Medienresonanz

Der Einsatz von politischen Häftlingen in der Produktion von Ikea-Produkten fand eine breite Medienresonanz. Hier eine Auswahl der Berichte:


Videobeiträge: