Zeitzeugenarchiv

Während Historiker mithilfe wissenschaftlicher Methoden Geschichte erforschen, schildern und interpretieren, machen Zeitzeugen Geschichte anschaulich. Sie berichten über das von ihnen unmittelbar beobachtete und erlebte Geschehen und geben so im Wortsinne "Zeugnis" von bestimmten Vorgängen. Ihre Schilderungen lassen historische Ereignisse in besonderer Weise lebendig werden.

Die Bundesstiftung Aufarbeitung misst den Erinnerungen von Zeitzeugen eine große Bedeutung bei. Nicht zuletzt deshalb wird von ihr ein Zeitzeugenportal (www.zeitzeugenbuero.de) betrieben, über das Zeitzeugen u.a. an Schulen und für öffentliche Veranstaltungen vermittelt werden.



Im Archiv der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur findet sich eine Vielzahl von Zeitzeugenerinnerungen, die als lebensgeschichtliche Interviews vor allem Auskunft über das Wirken der Betreffenden in Opposition und Widerstand, aber auch über Haftzeiten und Lageralltag geben.

Einen herausragenden Bestand bilden dabei zum Beispiel die Erinnerungen von Gulag-Häftlingen und ihren Angehörigen. Der Historiker Dr. Meinhard Stark (Universität Bonn) interviewte mehr als 250 ehemalige Lagerhäftlinge bzw. ihre Kinder in Russland, Polen, Kasachstan, Litauen und Deutschland. Zum Bestand gehören zudem zahlreiche schriftliche und bildliche Überlieferungen.

Die Bandbreite der im Stiftungsarchiv vorhandenen Zeitzeugeninterviews reicht aber weit über die Themen der Lager- bzw. Hafterfahrungen hinaus. Im Archiv lassen sich auch Interviews mit Zeitzeugen des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 und des Mauerbaus 1961, in der DDR akkreditierten West-Journalisten oder DDR-Umweltaktivisten finden.

Außerdem weisen wir an dieser Stelle auf die Interviewreihe "Unschuldig verurteilt" hin. In einem groß angelegten Interviewprojekt porträtiert Alexandra Pohlmeier 14 Frauen, die zwischen 1945 und 1955 von Sowjetischen Militärtribunalen verurteilt wurden und ihre Strafen in sowjetischen Speziallagern in der SBZ und ab 1950 in den Zuchthäusern der DDR verbüßen mussten.

Wie bei allen anderen Dokumenten auch sind bei der Nutzung von Zeitzeugeninterviews der Daten- und Persönlichkeitsschutz sowie das Urheberrecht zu beachten. Hierzu geben Ihnen die Mitarbeiter des Stiftungsarchivs selbstverständlich gern Auskunft.