Berliner Mauer an der Gartenstraße
© Gesche Würfel

Projekt “The Absence and Presence of the Berlin Wall”

Mit meinem künstlerischen Projekt “The Absence and Presence of the Berlin Wall” untersuche ich den Stand der deutschen Wiedervereinigung. Die BRD und DDR sind durch ein politisches und ökonomisches System vereint, aber das Bestreben, ein Deutschland mit einer vereinten kollektiven Identität zu kreieren, ist immer noch nicht verwirklicht. Durch die Wiedervereinigung von 1990 sind neue Spaltungen und Feindeseligkeiten enstanden, die ich anhand von Fotografien und Interviews in meinem Projekt untersucht habe. Dabei habe ich mich auf drei Elemente gestützt – Architektur, Natur und Menschen – und Orte ausfindig gemacht, an denen die Überreste der Mauer noch gegenwärtig sind, Orte, an denen die physische Teilung durch die Mauer nicht länger existiert, und Orte, an denen das mentale Konstrukt der Mauer weiterhin besteht.

Hierfür habe ich das ehemalige West-Berlin auf dem 160km-langen Mauerweg mit dem Fahrrad umrundet. Alle 2,8 (für die 28 Jahre, die die Berliner Mauer stand) habe ich angehalten und die Orte fotografisch festgehalten. Ebenso habe ich vollständig die wenigen, verbliebenen architektonischen Überreste der Mauer und DDR-Grenzbefestigungen dokumentiert. Zudem fotografierte ich, wie die Natur das ehemalige Grenzgebiet eingenommen und beide Teile Deutschlands vereinigt hat. Ich dokumentierte die Stellen, an denen Architektur eingesetzt wurde, um das ehemalige Ost- und West-Berlin miteinander zu verbinden. Da die Wiedervereinigung ein unfertiges Produkt ist und wesentliche Spaltungen in der Gesellschaft noch erhalten sind, fügte ich meinen Erkundigungen ein menschliches Element hinzu: Ich porträtierte und interviewte Mitarbeiter*innen von Gedenkstätten sowie Bürger*innen aus Berlin und Brandenburg. Dabei haben mich insbesondere deren Erinnerungen an die Mauer und die damit einhergehende Teilung, die SED-Diktatur sowie die Wiedervereinigung interessiert. Ziel war es herausfinden, inwieweit die Teilung mit Schwerpunkt auf Berlin weiterhin besteht und inwieweit die Aufarbeitung der SED-Diktatur fortgeschritten ist. Die Kombination von Fotografien und Interviews ermöglicht es mir, die Nuancen und Kompliziertheiten eines ‘vereinten’ Deutschlands aufzuzeigen. Die Ergebnisse werden vom 25. Februar bis zum 20. März 2022 in einer Einzelausstellung im Künstlerhaus Bethanien präsentiert. Leider hat das Projekt mit Putins Krieg in der Ukraine eine neue Relevanz erhalten. Steht uns ein neuer Kalter Krieg bevor?

Weitere Informationen

https://geschewuerfel.com/The-Absence-and-Presence-of-the-Berlin-Wall

https://www.bethanien.de/exhibitions/gesche-wuerfel/

Teilnehmerin

Kurzbiografie