40 Jahre Ausrufung des Kriegsrechts in Polen - Wolfgang Templin im Gespräch mit Basil Kerski

Am Morgen des 13. Dezember 1981 geben die Radiostationen in Polen bekannt, dass Staats- und Parteichef Wojciech Jaruzelski das Kriegsrecht über das ganze Land verhängt hat. Einheiten von Armee und Polizei besetzen strategische Einrichtungen, die Regierungsgewalt geht auf einen Militärrat über. Die kommunistische Führung reagiert damit auf die Erosion ihrer Macht, die mit dem enormen Zuspruch zur 1980 gegründeten Gewerkschaftsbewegung Solidarność eingesetzt hat. In kürzester Zeit war unter der demokratisch gewählten Führung von Lech Wałęsa eine zivilgesellschaftliche Protestbewegung mit zehn Millionen Mitgliedern entstanden, der fast jeder Dritte in Polen angehörte.

Der 40. Jahrestag der Ausrufung des Kriegsrechts in Polen ist Anlass für ein Online-Expertengespräch, zu dem die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur den Leiter des Europäischen Zentrums der Solidarność in Danzig, den Politologen und Autor Basil Kerski sowie den DDR-Dissidenten und Polen-Kenner Wolfgang Templin eingeladen hat. Beide sprechen über die historischen Entwicklungen, die in Polen zum Erfolg der Protestbewegung und schließlich zur Verhängung des Kriegsrechts führten.

Mit den drastischen Maßnahmen konnte das kommunistische System kurzfristig gesichert werden, nachdem Lech Wałęsa mit einigen tausend Mitstreitern verhaftet und Solidarność verboten worden war. 1983 wurde das Kriegsrecht aufgehoben. Doch die politische Freiheitsbewegung in Polen ließ sich nicht mehr aufhalten. Am Ende des Jahrzehnts wählte Polen als erstes osteuropäisches Land eine demokratische Regierung, 1990 wurde Lech Wałęsa Staatspräsident.

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