Andreas Stirn

Sie haben 2009 promoviert: Wie ging es danach für Sie weiter?

Nach freiberuflichen Stationen als Online-Redakteur und Ausstellungsgestalter habe ich mehrere Jahre als Ausschussreferent beim Landtag Brandenburg und danach in der Öffentlichkeitsarbeit des Berliner Abgeordnetenhauses gearbeitet. Seit 2021 verantworte ich als Leiter des Referates „Digitale Vermittlung“ den Social-Media– und Webauftritt des Stasi-Unterlagen-Archivs im Bundesarchiv. Immer noch setze ich mich also mit der SED-Diktatur auseinander, nun aber mit den Mitteln und Methoden der modernen Öffentlichkeitsarbeit.

Hat Ihnen die Promotion auf Ihrem Weg geholfen?

Ich glaube, dass sie mir den Zugang zu meinen Tätigkeiten im Öffentlichen Dienst erleichtert hat. Aber mindestens genauso wichtig dürften meine praktischen Arbeitserfahrungen außerhalb des Wissenschaftsbetriebs gewesen sein. Manchmal war der „Dr.“ vor dem Namen vielleicht sogar hinderlich, weil er Befangenheit oder – positive wie negative – Vorurteile provoziert hat.

Sie haben über die DDR-Urlauberschiffe in den Jahren 1958 bis 1990 promoviert.* Würden Sie das Thema heute noch einmal so wählen?

Ich mag mein Thema immer noch. Aber im Rückblick würde ich es etwas anders angehen – mit mehr Vertrauen in seine Relevanz und mehr Mut zur Lücke. Ein paar zusätzliche Monate für radikale Kürzungen und Textverdichtungen wären auch nicht schlecht gewesen. Wenn ich gewusst hätte, was eine Druckseite beim Verlag kostet ...

Was ist Ihnen aus Ihrer Zeit als Stipendiat bei der Bundesstiftung Aufarbeitung besonders in Erinnerung geblieben?

Die konstruktive Ermutigung durch Uli Mählert, ohne die ich gar nicht erst angefangen hätte. Das gute Gefühl, zwar alleine am Schreibtisch zu sitzen, aber nicht alleine zu sein. Und nicht zuletzt: Die finanzielle Zuwendung der Bundesstiftung Aufarbeitung, ohne die ich mir die erfüllende und lebensprägende Erfahrung mehrjährigen hochkonzentrierten historischen Forschens und Schreibens nicht hätte leisten können. Dafür an dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön.

Welchen Ratschlag würden Sie jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf Ihrem Weg zur Promotion geben?

Denselben wie einem Marathonläufer: Mit kleinen Schritten und großer Lust loslaufen. Und wenn's anfängt wehzutun: Zähne zusammenbeißen, 'ne Apfelschorle trinken und das Ding mit einem Lächeln durchziehen.

* Die Promotion ist 2010 unter dem Titel „Traumschiffe des Sozialismus: Die DDR-Urlauberschiffe 1958 bis 1990“ im Metropol Verlag erschienen.

Kontakt: a.stirn@gmx.net

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